Wohin sind bloß all die Arbeitslosen verschwunden?

Note to non-German speaking readers: this is about the dropping number of people of working age, i. e., a rising number of old people, which is disguised as a dropping number of jobless persons. This is especially helpful for our politicians, as they only think in the short term (when they think at all). As all sources cited here are in German, I stick to German for this post.

Von Mai 2009 auf Mai 2010 ist die Zahl der Arbeitslosen um 217 000 gesunken (Quelle: BA Presse Info 038/2010). Gleichzeitig ist die Zahl der Erwerbstätigen um 67 000 gestiegen (Quelle: BA Presse Info 029/2010). Aber was ist mit der Diskrepanz von 150 000 Menschen, die zwar nicht mehr arbeitslos sind, aber auch nicht erwerbstätig sind?

Die sind alt geworden. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Die BA redet darüber zwar nicht gerne (eigentlich überhaupt nicht), aber der größte Teil des mittelfristigen Rückgangs der Arbeitslosigkeit ist der Überalterung unserer Gesellschaft geschuldet, und nicht den Vermittlungsbemühungen der BA.

Sowohl die BA als auch unsere Politiker freuen sich darüber, dass die Zahl der Arbeitslosen von alleine dadurch sinkt, dass immer mehr alte Menschen aus der Statistik fallen (übrigens schon ab dem Alter von 58 Jahren, nicht erst ab 65) und gleichzeitig immer weniger junge Menschen nachrücken (sonst würden entweder die Zahl der Erwerbstätigen oder die Zahl der Arbeitslosen steigen). Das Nichtstun kann man als Erfolg verkaufen.

Es gibt aber keinen Grund zur Freude; wir sehen hier vielmehr den schleichenden Niedergang unserer Volkswirtschaft. Wenn kaum noch junge Menschen ins Erwerbsleben eintreten, wer soll dann die Wirtschaft im Gang halten? Die Sozialbeiträge zahlen? Die dependency ratio beträgt jetzt schon ca. 1:1 (auf 40 Millionen Erwerbstätige kommen 40 Millionen nicht-Erwerbstätige), das wird in Zukunft noch viel schlimmer. Und zwar in naher Zukunft. Ich plane, das Jahr 2050 noch zu erleben; dann wird die dependency ratio bei ca. 1:4 liegen, d. h. auf einen, der arbeitet, kommen vier, die unterstützt werden wollen*. Wie soll das funktionieren? Es wird nicht funktionieren, irgendwann vorher wird es gewaltig krachen. Eigentlich wäre es jetzt dringend Zeit, Maßnahmen zu ergreifen, doch unsere Politiker ergötzen sich lieber an ihren Theaterspielchen, statt sich den echten Problemen zu widmen.

Aber es gibt ja noch andere Länder. Und noch ist Republikflucht nicht wieder zum Straftatbestand geworden.


* Die Webseite der UN ESA quittiert deep links mit einem VBScript-Error, deshalb kann ich nicht direkt auf die Daten linken. Man kann sie sich hier aber selber zusammenklicken: dependency ratio auswählen, ich habe die mittlere Variante gewählt. Ergebnis: 2010 ist das Verhältnis 49:51, also gut 1:1, 2050 ist es 18:82, also wohlwollend gerundet 1:4 (Prognosen sind ja immer etwas wacklig).

About Daniel Tiggemann

Software-developer living in Cologne, Germany. Was once a physicist, specialized in computer simulations and parallel programming. Now more into JavaScript, web frontend development, and especially mobile computing.
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